Die drei Sprachen sind Vergleichs- und Übersetzungsebenen, keine Behauptung identischer Traditionen. Historische Angaben werden entsprechend ihrem angegebenen Quellenumfang gelesen.
Wörter zählen heißt zuerst entscheiden, was als Wort zählt
Deutsch
Packard legt für seine Darstellung ein syntaktisches Wortkriterium fest und kennzeichnet zugleich andere mögliche Definitionen. Cheung erklärt, dass Wortklasseneinteilungen auch von Theorie und Terminologie abhängen. Der Atlasvergleich fragt deshalb getrennt nach Schriftgrenze, prosodischer Einheit, grammatischer Form und abstrakter lexikalischer Identität. Ein chinesisches Zeichen ist keine automatische Antwort auf alle vier Fragen. Auch fehlende sichtbare Flexion verhindert weder Wortformen noch lexikalische Identität. Das englische can't-Beispiel und die deutschen Formen geht/ging bleiben Beispiele der jeweiligen Ausgangssprache, nicht neue chinesische Segmentierungsergebnisse.
English
Packard adopts a syntactic word criterion while acknowledging other possible definitions. Cheung explains that word-class inventories also depend on theoretical and terminological choices. The Atlas comparison therefore distinguishes orthographic boundaries, prosodic units, grammatical forms and abstract lexical identity. A Chinese character does not automatically answer all four questions. Lack of visible inflection removes neither word forms nor lexical identity. English can't and German geht/ging remain source-language examples rather than new results about Chinese segmentation.
Historische Grenze: Packards Verweis auf Sapir 1921/1949 ist im Literaturverzeichnis kontrolliert. Das datiert eine dort herangezogene typologische Referenz, nicht den Anfang chinesischer Wortbildung oder die erste Formulierung sämtlicher Wortbegriffe. Die älteren Originalwerke wurden nicht neu gelesen.
Packard unterscheidet freie und gebundene Inhalts- sowie Funktionsmorpheme. Bereits das verhindert den Kurzschluss gebunden = Affix. Ob eine Form Wurzel, Suffix, Klitikon oder Partikel ist, hängt auch von Auswahlverhalten, syntaktischer Verteilung, Bedeutung und prosodischem Anschluss ab. Packards Einstufung bestimmter Formen als Flexionssuffixe und seine Analyse geringer Allomorphie werden als Modellentscheidungen sichtbar gehalten, nicht zur einhelligen chinesischen Lehrmeinung gemacht. Für die historische Ebene referiert Peyraube rekonstruierte Affixe des Altchinesischen: Das Sternchen markiert dort Rekonstruktion, keinen direkt so überlieferten geschriebenen Ausdruck. Gegenwärtige Typologie darf nicht als jahrtausendelang unveränderliche Eigenschaft zurückprojiziert werden.
English
Packard distinguishes free and bound content and function morphemes, already blocking the inference bound = affix. Root, suffix, clitic and particle analyses also depend on selection, syntactic distribution, meaning and prosodic attachment. His inflectional classification and account of limited allomorphy remain explicit modelling choices, not a unanimous Chinese position. Historically, Peyraube reports reconstructed Old Chinese affixes: the asterisk marks reconstruction, not a written form directly transmitted with that spelling. Present-day typology must not be projected backwards as an unchanged property across millennia.
Historische Grenze: Peyraube referiert auf S.4 unter anderem Baxter/Sagart 1998 und Sagart 1999; deren Angaben wurden auf S.16–17 bibliografisch kontrolliert. Es handelt sich um gelesene Sekundärdarstellung von Rekonstruktionsvorschlägen, nicht um eine eigene Neurekonstruktion oder unabhängige Kollation der zitierten Originale.
了 ist nicht einfach die chinesische Form von Vergangenheit
Deutsch
Cheung unterscheidet verbnahes perfektives -le und satzfinales le und nennt ausdrücklich ihre mögliche gemeinsame Verwendung. Der Vergleich 他当了父亲 / 他当了父亲了 macht in ihrer Darstellung den zusätzlichen Zustandswechselbezug sichtbar. Das ist keine Aufforderung, jedes 了 als dieselbe Vergangenheitsendung zu übersetzen. Zeitpunkt, aspektuelle Perspektive und gegenwärtige Relevanz sind getrennte Fragen. Der deutsche Tempus-Auszug zeigt entsprechend eine Präsensform mit Zukunftsbezug; das englische Aspekt-Gegenbeispiel muss so gelesen werden, dass ein Zukunftsadverb nicht automatisch eine neue Tempusform erzeugt. Eine chinesische Umschreibung der englischen Verlaufsform belegt außerdem keine identische morphologische Konstruktion.
English
Cheung distinguishes verbal perfective -le from sentence-final le and explicitly notes that both may occur together. In her account, 他当了父亲 / 他当了父亲了 makes an additional change-of-state contribution visible. This does not license translating every 了 as the same past-tense ending. Temporal location, aspectual viewpoint and current relevance are separate questions. The German tense extract likewise uses present morphology with future reference; the English aspect counterexample must not imply that a future adverb automatically creates a new tense form. A Chinese paraphrase of the English progressive also proves no identical morphological construction.
Historische Grenze: Die Darstellung ist synchron und referiert unterschiedliche moderne Analysen, nicht den historischen Entstehungsweg von 了. Lin 2003 ist im gelesenen Literaturverzeichnis als Arbeit zu zeitlicher Referenz verzeichnet; diese Arbeit wurde nicht als Original neu kollationiert. Kein chinesischer Erstbeleg und keine Datierung von Tempus oder Aspekt ergänzt.
Vor der Zahl steht die Entscheidung, was gezählt wird
Deutsch
Cheung zeigt zum selben Gast 个 und 位 sowie alternative Klassifikatoren bei anderen Nomen. Die Wahl kann von Register, Diskurs und Varietät abhängen; sie ist keine starre Naturklassifikation. Zugleich stellt sie zwei Forschungstraditionen gegenüber: sortale Klassifikatoren und Maßwörter zusammenzufassen oder zu unterscheiden. Sie entscheidet sich für die Unterscheidung, schränkt aber in Fußnote15 selbst die 的-Probe ein. Daraus folgt für den Atlas keine allgemeine Regel, dass 的 nach jedem sortalen Klassifikator unmöglich wäre. Das ursprüngliche Blatt-/Dokumentbeispiel bleibt eine nicht sprachlich spezifizierte Illustration und wird nicht als neu verifiziertes chinesisches Minimalpaar ausgegeben.
English
Cheung gives 个 and 位 with the same noun for guest and alternative classifiers with other nouns. Choice may depend on register, discourse and variety, rather than a rigid natural taxonomy. She also contrasts traditions that combine or separate sortal classifiers and measure words. While adopting the distinction, she qualifies the 的 diagnostic in footnote15. The Atlas therefore states no universal ban on 的 after a sortal classifier. Its original sheet/document example remains an illustration without a specified language, not a newly verified Chinese minimal pair.
Historische Grenze: Cheungs Hinweise auf nominale Ursprünge mancher Klassifikatoren sind sekundäre Forschungsaussagen. Das Literaturverzeichnis nennt Liu Shiru 1965 zu Klassifikatoren der Wei-, Jin- sowie Südlichen und Nördlichen Dynastien; weder datiert 1965 die Entstehung der Formen noch wurde daraus hier ein Erstbeleg einzelner Klassifikatoren gewonnen.
RT-MORPHOLOGY-2016-027 — Jerome L. Packard: Chinese Morphology. , , . Kapitel gedruckt: [215, 226]. Gelesene PDF-Seiten: [254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265]. Full 12-page chapter read in this turn, including notes and bibliography; two selected pages also read at the image. Its categorical and historical claims remain author-attributed.
RT-CATEGORIES-2016-027 — Candice Chi-Hang Cheung: Chinese: Parts of Speech. , , . Kapitel gedruckt: [242, 294]. Gelesene PDF-Seiten: [281, 282, 283, 289, 308, 309, 310, 311, 312, 313, 320, 321, 327, 328, 330]. 15 selected complete pages read, including the relevant diagnostic-limiting footnote15 and bibliographic material; not the whole chapter or cited originals.
RT-ANCIENT-2016-027 — Alain Peyraube: Ancient Chinese. , , . Kapitel gedruckt: [1, 17]. Gelesene PDF-Seiten: [42, 43, 55, 56]. Four selected complete pages read, including the reconstruction discussion and its bibliography; not a new reading of all cited historical works.